Zweiter Nachtrag: Depotbanken für Einkommensinvestoren

Ein weiterer Handelsplatz für Hochdividendenwerte

Das für Anleger zweifelsohne wichtige Thema Depotbanken stößt weiterhin auf hohe Resonanz. Zwei Leserkommentare haben mich veranlasst, diesen Sachverhalt noch einmal aufzugreifen. Der erste Kommentar von Kai R. nimmt zu den Gebührenstrukturen der empfohlenen (Auslands-)Broker kritisch Stellung: „Ich vermisse zwar meine Depotbanken (OnVista, Lynx & DeGiro) nicht, möchte aber noch einen Kommentar zu den Empfehlungen Internaxx bzw. Swissquote geben. Der Punkt der Handelskosten wird hier überhaupt nicht berücksichtigt. Bei Internaxx ist der günstigste Handel ab ca. 15€ gelistet (Xetra & andere deutsche Handelsplätze gar erst ab 25€), bei Swissquote ist das Volumen entscheidend: ab 500€ kostet es 20€, ab 2000€ fallen schon 35€ an. Wenn man nur ein, zwei Trades pro Jahr macht, mag es einem egal sein. Wenn man in der Phase des Vermögensaufbaus steckt und 20 bis 25 Trades pro Jahr macht, fallen diese Kosten schon ins Gewicht. Das würde mich bei Swissquote zwischen 400€ und 700€ kosten, bei Internaxx zwischen 300€ und 500€. Davon könnte man schon eine Position nachkaufen.“

Dazu kann ich nur sagen: Der Leser hat absolut recht! Ich habe den Beitrag aus der Perspektive der Vermögensverwaltung, nicht des Vermögensaufbaus geschrieben. Im ersten Fall, also der Verwaltung eines bereits ausdifferenzierten Hochdividendenportfolios reichen tatsächlich zwei bis drei Aufträge pro Jahr. Da fallen die (Mehr-)Kosten nicht so sehr ins Gewicht. Im Prinzip stellen sie eine kleine Gebühr für eine Depotverwaltung außerhalb der Eurozone dar. Wer die Zielstruktur seines Depots noch nicht erreicht hat und öfter kleinere Beträge investieren möchte, für den machen sich die Gebühren jedoch in der Tat bemerkbar, je nach Präferenz wiegen diese dann den Vorteil eines Auslandsdepots nicht auf.

Interactive Brokers …

Andererseits bieten die in Deutschland ansässigen Depotbanken meist nur eingeschränkten Zugang zu Hochdividendenwerten oder aber sie erheben ebenfalls recht hohe Gebühren für den Handel an ausländischen Börsen oder aber die Verbuchung von Dividendenzahlungen. Preislich gesehen kann hier noch LYNX Broker am ehesten überzeugen. Gibt es eventuell ein Institut, das die Vorteile beider Sphären vereint? Es sieht ganz danach aus, womit ich auch beim zweiten Leserkommentar von Robert K. angelangt bin: „Erst einmal vielen Dank für deine Recherchearbeit und deinen Blogartikel. In der Tat vermisse ich einen Anbieter: CapTrader. Ist dir CapTrader bekannt? Dein Feedback würde mich interessieren!“

Den Broker CapTrader (*) kannte ich bis vor kurzem tatsächlich nicht. Erst nach Abschluss der Recherchen zu den Depotbanken für Einkommensinvestoren bin ich auf den Anbieter gestoßen. Mit was für einem Institut haben wir es zu tun? CapTrader ist nach Eigenauskunft „eine Marke der FXFlat Wertpapierhandelsbank GmbH, die als unabhängige und inhabergeführte Wertpapierhandelsbank am wichtigen Standort Deutschland ihren Kunden Lösungen und Leistungen rund um das Thema Finanzen anbietet.“ Im vorliegenden Fall handelt es sich um reine Unterstützungs- und keine Bankdienstleistungen, da CapTrader als Wiederverkäufer des internationalen Brokerhauses Interactive Brokers in Erscheinung tritt (übrigens ebenso wie LYNX Broker).

… via CapTrader

Interactive Brokers ist einer der weltweit größten Broker. Das 1977 in den USA gegründete Unternehmen verfügt über Standorte an allen bedeutenden Börsenplätzen rund um den Globus und beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter. Einschließlich der verbundenen Unternehmen werden knapp eine Millionen Transaktionen pro Tag ausgeführt. Insgesamt verfügt der Broker einschließlich Tochtergesellschaften über gut sechs Milliarden US-Dollar Eigenkapital sowie über Banklizenzen für jedes Land, in dem es operativ tätig ist. Damit unterliegt das Institut der jeweiligen Bankenaufsicht und die Kundengelder der entsprechenden Einlagensicherung. Beeindruckend ist der Umfang der handelbaren Wertpapiere: Diesen gibt Interactive Brokers mit über einer Millionen an, gut 80 Börsenplätze sind an das Handelssystem angeschlossen.

Zweiter Nachtrag Depotbanken - Zentrale von Interactive Brokers
Zentrale von Interactive Brokers, Bildquelle: Ɱ via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Da liegt natürlich umgehend folgende Frage nah: Warum das Depot via CapTrader und nicht bei Interactive Brokers direkt eröffnen? Auf Basis eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass letzteres – zumindest bis vor drei Jahren – sich gar nicht so einfach gestaltete. Tatsächlich war es die mit Abstand komplizierteste Kontoeröffnung, die ich bis dato zu bewältigen hatte. Auch die Bedienung, so zum Beispiel Überweisungen auf und vom Depotverrechnungskonto, war nicht gerade nutzerfreundlich gestaltet (letztlich habe ich die Bankverbindung frustriert und ohne jede Interaktion gekündigt). Das könnte durchaus daran liegen, dass sich Interactive Brokers auf die Handelsabwicklung konzentriert und die Administration gerne den Wiederverkäufern überlässt, die sich über einen vertretbaren Gebührenaufschlag refinanzieren.

Leistungen und Preise

Bezüglich Service konnte CapTrader im Zuge meiner Nachrecherchen jedenfalls punkten! Die Kontaktaufnahme gestaltete sich problemlos, sämtliche Fragen – auch kniffelige – wurden innerhalb kurzer Zeit auf den Punkt beantwortet. Die Kundenbetreuer sind übrigens nicht nur schriftlich, sondern montags bis freitags 24 Stunden rund um die Uhr per Telefon beziehungsweise kostenfreie Rufnummer erreichbar. Ferner betreibt CapTrader im gleichen Zeitraum einen „LIVE-Chat“ und bietet einen Rückrufservice. Da können sich andere Anbieter durchaus eine Scheibe abschneiden. Nun nutzt allerdings der beste Service nichts, wenn das Produkt selbst mit diesem nicht mithalten kann. Schauen wir uns also die Leistungen des Brokers aus der Perspektive eines Einkommensinvestors an.

Depot und Verrechnungskonto einschließlich Zahlungsverkehr sind grundsätzlich schon einmal kostenfrei. Eine Inaktivitätsgebühr in Höhe von einem US-Dollar pro Monat fällt an, wenn der Gesamtwert aus Wertpapiervermögen und Liquidität unter 1.000 US-Dollar liegt und in dem entsprechenden Kalendermonat nicht gehandelt wurde. Erfreulich ist auch, dass für die Verbuchung von Dividenden keinerlei Gebühren erhoben werden. Somit entstehen Investoren auf der Plattform lediglich Handelskosten.

Und die sind durchaus attraktiv. Betrachten wir dazu die Kosten für den Standardhandel an den drei für Einkommensinvestoren vermutlich wichtigsten Handelsplätzen:

  • USA: Ein US-Cent pro Aktie bei einem Minimum von 2,00 USD und einem Maximum von 0,5 Prozent des Handelswertes pro Auftrag.
  • Kanada: Ein CAD-Cent pro Aktie bei einem Minimum von 1,00 CAD und einem Maximum von 1 Prozent des Handelswertes pro Auftrag.
  • Australien: 0,1 Prozent des Handelswertes, mindestens 10,00 AUD pro Auftrag

Eine Order über 5.000 US-Dollar schlägt also mit maximal 25 US-Dollar zu Buche, bei 10.000 US-Dollar würden höchstens 50 US-Dollar fällig werden. Bei kanadischen Wertpapieren wäre die doppelte Summe fällig, bei australischen Titeln jeweils 10 australische Dollar. Richtig preiswert wird es in den USA und Kanada bei hochpreisigen Aktien: Der Kauf oder Verkauf von 200 Unternehmensanteile zu je 100 Dollar würde lediglich mit 2,00 Dollar in Rechnung gestellt. Insgesamt ist das Gebührenmodell gerade für kleinere Order sehr vorteilhaft. Und selbstverständlich sind – wie über LYNX Broker auch – alle gängigen Hochdividendenwerte handelbar. Das wurde mir auch nochmal persönlich bestätigt.

Weitere Informationen

Wie eingangs erwähnt agiert CapTrader lediglich als Makler, das Depot und Verrechnungskonto werden in Großbritannien und damit noch aber nicht mehr lange innerhalb der EU (und ohnehin außerhalb des Eurosystems) geführt. Demnach greift die britische Einlagensicherung für Beträge bis zum Gegenwert von 50.000 britischen Pfund, darüber hinausgehende Beträge sind zudem unter anderem über Lloyds bis zu einer Summe von 30 Millionen US-Dollar versichert (was die Versicherung im Fall einer massiven Finanzkrise wert ist steht freilich in den Sternen). Zudem ist Interactive Brokers verpflichtet, die Kunden- strikt von den Firmengeldern zu trennen.

Durch die Verwaltung des Depot in Großbritannien wird keine Abgeltungssteuer an das deutsche Finanzamt abgeführt. Es erfolgt, so die Aussage, auch keine automatische Meldung an hiesige Behörden. In Deutschland veranlagte Kunden können und müssen sich als Nachweis einen Jahreskontoauszug in ihrer Kontoverwaltung erstellen, auf dem alle relevanten Informationen übersichtlich zusammengestellt sind. Die Mindesteinlage zur Depoteröffnung beträgt übrigens moderate 2.000 Euro.

CapTrader spricht ganz klar aktive Anleger, Spekulaten und Zocker (Leerverkäufe und Wertpapierkredite sind ebenfalls möglich) als Zielgruppe an. Das wird nicht zuletzt an der komplexen Handelssoftware ersichtlich, die „normale“ Anleger, zu denen ich mich auch zähle, fast erschlägt. Allerdings existiert auch „eine ‚Handelsplattform light‘, die auf eine vereinfachte Anwendungsoberfläche setzt und die sich mit der Beschränkung auf die wichtigsten Funktionen etwa für den Börsenanfänger eignet oder für den Anleger, der generell ein einzelnes Produkt oder nur mit Standard-Ordertypen handelt.“ Somit dürfte der Broker auch für Einkommensinvestoren eine attraktive Alternative darstellen. Natürlich sind auch tausende Investmentfonds und ETFs zu Sonderkonditionen handelbar, ebenso werden Spar- und Entnahmepläne angeboten. Und wer zusätzliche Einnahmen erzielen möchte, der kann sogar seine Wertpapiere verleihen, sofern das Konterpartrisiko nicht gescheut wird (ich scheue es).

Mein vorläufiges Fazit

Die Daten, Zahlen und Fakten zu CapTrader finde ich durchweg überzeugend. Ich plane daher eine Summe zur Erstinvestition anzusparen und den Broker einem praktischen Test unterziehen. Über meine Erfahrungen werde ich hier berichten. Wenn Sie ein Konto bei CapTrader eröffnen wollen, klicken Sie einfach auf nachfolgendes Banner (*):

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