Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern – und wie der Darm darauf reagiert

Bei Kindern kommt es immer häufiger zu Verhaltensauffälligkeiten, für die sich zunächst keine medizinische oder anderweitige Erklärung finden lässt.

Wobei verschiedene Symptome schulmedizinisch abgeklärt oder zumindest beim Arzt vorgestellt wurden.

Die Belastung auf die ganze Familie ist in solchen Fällen enorm. Vielfach werden die Probleme von außen nicht ernst genommen und lediglich als eine Phase abgetan.

Hier ein paar Beispiele für mögliche Verhaltensauffälligkeiten:

mangelndes Selbstvertrauen, Unsicherheit, Unruhe, Aggressivität, Wutanfälle oder Zerstreutheit, Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität oder gelegentliches Lügen

Manchmal sind die Symptome schon deutlicher:

Fingernägelkauen, Ticks, Haareausreißen, Schlafstörungen, Einnässen, Einkoten, unklare Bauch- und Kopfschmerzen oder gar Panikattacken

Doch dass etwas nicht stimmt, kann sich auch auf viel subtilere Weise manifestieren:

Die Kinder sind still, introvertiert, bedrückt, traurig, in sich gekehrt oder geistig abwesend. Kurz gesagt: Sie ziehen sich in ihre eigene Welt zurück.

Problematisch ist, dass wir Erwachsenen die Symptome oft nicht als solche wahrnehmen. Kinder mit subtiler Symptomatik fallen zunächst nicht auf. Schließlich stören sie nicht, sind augenscheinlich „lieb“ und machen keine Probleme. Das Gefährliche an diesen Situationen ist, dass die Erwachsenen dieses Verhalten unbewusst verstärken, gerade weil ihnen nicht bewusst ist, was mit ihren Kindern passiert.

Wie unterscheidet man also zwischen „einer Phase und einem ernstzunehmenden Problem? Und was geschieht wirklich in den Kindern?

Um genau dieser Frage nachzugehen habe ich als Kindheilpraktikerin ein ganzheitliches Behandlungskonzept unter aktiver Einbeziehung der Kinder entwickelt, welches ich in meinem Buch „Verhaltensauffälligkeiten“ beschreibe.

Kinder leben ganz und gar über ihr Gefühl, denn sie haben noch nicht gelernt, bestimmte Lebenssituationen mittels des Verstandes zu regulieren.

Wenn Kinder also aus dem Gleichgewicht geraten, dann sind sie damit in ihrer noch kleinen Welt überfordert. Das kann erstaunlich schnell passieren. Und wir Erwachsenen bekommen das größtenteils gar nicht mit.

Unangenehme Ereignisse, überwältigende Eindrücke oder belastende Erfahrungen machen sich dann früher oder später in Form von Stress im vegetativen Nervensystem und daraus folgend in körperlichen Beschwerden bemerkbar.

Kinder tragen tatsächlich mehr unverarbeitete Gefühle wie Angst, Wut, Trauer, Kummer und Schmerz in sich, als sie verkraften oder verarbeiten können. Diese werden dann im Unterbewusstsein abgespeichert.

Und manchmal brechen diese Gefühle durch körperliche Symptome bzw. Verhaltensauffälligkeiten auf.

Die wenigsten Erwachsenen sind sich bewusst, welche großen Ängste in den Kindern schlummern und dass Verhaltensauffälligkeiten unter Umständen der einzige Lösungsansatz sind, der sich ihnen in ihrer Hilflosigkeit bietet.

Das gefühlsorientierte System der Kinder ist in Not. Folglich müssen sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln eine Lösung finden, um ihr System innerlich wieder auszugleichen.

Der innerliche Stress, dem die Kinder durch ihre Ängste und auch durch die Verhaltensauffälligkeiten ausgesetzt sind, kann sich auf das vegetative Nervensystem und den Darm auswirken.

Dieser ist das erste Organ, das reagiert. Es entsteht eine Rückkoppelung zum Gehirn, denn der Darm steht mit diesem in ständigem Austausch. Ist diese Kommunikation gestört, wirkt sich das wiederum auf die Emotionen und den Gesundheitszustand der Kinder aus.

Und diese Korrelation hat ihrerseits Auswirkungen auf die Konzentration, das Lernen und das Gedächtnis.

Das alles geschieht über die Darm-Hirn-Achse, die mit dem 10. Hirnnerv verbunden ist, dem Parasympathikus, der sich zum größten Teil aus dem Nervus Vagus heraus entwickelt. Dieser reguliert fast ausschließlich die inneren Organe. Nur dann lassen sich Dinge verdauen, körperlich wie seelisch.

Durch verschiedene Analysen und Studien konnte nachgewiesen werden, dass eine nicht intakte, unausgeglichene Darm-Hirn-Achse für einige Erkrankungen mitverantwortlich sein kann.

Bei ungesehenen Ängsten und Dauerstress kann es zu einer Dysbiose (Ungleichgewicht im Darm zwischen guten und schlechten Darmbakterien) kommen. Die Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht. Die Darmschleimhaut verändert sich. Und es kommt zu einer Entzündung in der Darmwand. Das äußert sich dann in Form eines undichten oder leckenden Darms, dem sogenannten „Leaky Gut“.

Diese diffuse Entzündung im Darm verläuft jedoch zunächst ohne direkte Symptome und ohne Schmerzen. So wird der Krankheitszustand des Darms häufig nicht diagnostiziert und kann sich immer weiter verschlimmern.

Berücksichtigen wir, dass das Immunsystem zu 80 % im Darm sitzt und nun permanent geschwächt wird, dann verstehen wir auch, warum die Kinder immer kränker werden und es immer häufiger zu körperlichen Symptomen an ganz anderen Stellen im Körper kommt, wie Infekte, Bronchitiden oder Nasennebenhöhlenentzündungen. Das Leaky Gut-Syndrom ist auch eine der Hauptursachen für Allergien und Nahrungsunverträglichkeiten, die bei Kindern immer mehr zunehmen.

Medizinisch werden jedoch meistens nur die körperlichen Symptome behandelt, ohne dass die eigentliche Ursache erkannt oder behoben wird.

Wir, die Erwachsenen, können tatsächlich einiges tun, um mögliche Symptome frühzeitig zu erkennen oder ihnen ggf. vorzubeugen. Ein achtsamer und fürsorglicher Umgang mit den Kindern ist besonders wichtig. Die Eltern müssen sich in die Kinder einfühlen, um Veränderungen direkt wahrzunehmen und entstehende Ängste bei den Kindern als solche zu erkennen.

Vor allem ist es wichtig zu verstehen, dass Kinder über ihre Gefühle leben. Belastende Situationen können nicht rational gelöst werden, denn dieser Weg steht den Kindern noch nicht offen. Es sind Kinder und keine kleinen Erwachsenen.

Den Kindern ganz bewusst Zeit zu widmen, mit ihnen zu spielen, für sie da zu sein, sie so anzunehmen, wie sie sind, und die eigenen Erwartungen an das Kind zu reflektieren. Das sind wichtige Komponenten, um den Kindern wieder Freude und Spaß zu vermitteln.

Auch bewusste Pausen sind wichtig, in denen die Kinder Ruhe bekommen und einfach mal nichts tun müssen, außer zu atmen und sich zu spüren.

Des Weiteren ist darauf zu achten, dass die Kinder eine ausgewogene, gute und gesunde Ernährung haben, ausreichend trinken und einen erholsamen Schlaf finden.

Körperkontakt, liebevolle Worte, Lob, Anerkennung, Wertschätzung  und ein respektvoller Umgang können so viel bewirken. Ein ausgeglichenes, intaktes Familiensystem fängt so manches auf und kann Problemen vorbeugen.

Wenn sich bei den Kindern aber bereits Symptome manifestiert haben, bedarf es einer ganzheitlichen Behandlung, um das Kind psychisch und physisch wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Eine solche Behandlung habe ich entwickelt und biete sie in meiner Praxis an.

Dabei werden die Kinder eingehend untersucht, um festzustellen, welche Symptome bereits aufgetreten sind. (Evtl. ist eine Abklärung durch den Arzt mit erforderlich.)

Darauf aufbauend erstelle ich einen individuellen Behandlungs- und Ernährungsplan, um sowohl die Symptome, als auch die möglichen Ursachen zu beheben.

Das Besondere ist:

Den Zusammenhang zwischen Verhaltensauffälligkeiten und dem Darm anzuschauen, die Kinder aktiv und intensiv in die Behandlung miteinzubeziehen und das Familiensystem dabei zu betrachten.

Ich nutze dafür eine märchenhafte Symbolsprache, die ich entwickelt habe, um den Kindern zu erklären, was ihre Gefühle mit ihrem Körper machen, wie sich seelische Konflikte, die als Zwerge bezeichnet werden, sich bei ihnen auswirken und wie diese ihnen Beschwerden bereiten.

Dabei steht jeder Zwerg für ein Symptom oder einen Konflikt. Die Aufgabe des Kindes ist es dann, den Zwerg entsprechend zu füttern oder zu pflegen, damit er schließlich aus dem Körper des Kindes ausziehen kann. Durch dieses „Zwergenkonzept“ wird den Kindern nicht nur auf kindgerechte Weise erklärt, was in ihnen vorgeht, sie werden außerdem in den Heilungsprozess eingebunden und erhalten eine Aufgabe.

Eine Studie, die zeigt, wie erfolgreich dieses Behandlungskonzept ist, kann in meinem Buch „Verhaltensauffälligkeiten“ nachgelesen werden.

Weitere Infos zu den „Zwergen“ gibt es auch auf meiner Webseite unter www.katja-weidemann.de.

Katja-Weidemann

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