Methadon: Die große Chance in der Krebstherapie?

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„Methadon, das Wundermittel gegen Krebs!“ Diese Nachricht gibt momentan vielen Krebspatienten große Hoffnung. Der Einsatz von Methadon bei einer Chemotherapie ist aber noch nicht ausreichend erforscht, viele Nebenwirkungen könnten die Folge sein. Könnte Methadon eventuell das Wundermittel im Kampf gegen Krebs sein? Obwohl es Hinweise dafür gibt, wurden bisher nur Widerwillig entsprechende Forschungen angestrengt. Tipps vom Experten fragt nach warum das so ist und wie Methadon tatsächlich den Krebs besiegen soll.

Inhalt
Tropfenweise Methadon soll Leben retten
Viele Ärzte sind skeptisch
Durch Methadon zum 100% Krebszelltod
Es gibt noch keine klinischen Studien zu Methadon bei Krebs
Keiner weiß, welche Krebstherapie wirklich geholfen hat
Warum gibt es bisher keine klinischen Studien zu Methadon in der Krebstherapie?
Die Industrie verdient kein großes Geld mit Methadon
Methadon kann viele Nebenwirkungen haben
Methadon – oft der letzte Strohhalm für Krebspatienten
Schmerzmittel Methadon, die letzte Chance
Leider kommt der Patient wieder einmal erst zum Schluss

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Eine sensationelle Nachricht kursiert momentan im Netz: Methadon ist das vermeintliche Wundermittel gegen Krebs! Alle Medien haben sich auf diese Schlagzeile gestürzt. Diverse seriöse TV-Sendungen wie „Plusminus“ (ARD) und „Stern TV“ (RTL), Ärztemagazine oder große Zeitschriften wie „Süddeutsche Zeitung“ haben sich diesem Thema angenommen. Wenn es wirklich stimmt, dass ausgerechnet das bisher umstrittene Opioid (Substanz mit morphinartigen Eigenschaften) Methadon, das bisher bei der Heroinsuchtbekämpfung eingesetzt wurde den Krebs heilen könnte, wäre das ein entscheidender Durchbruch in der Tumormedizin. Und tatsächlich gibt es viele Patienten und Ärzte, die geradezu euphorisch über die Behandlungsmöglichkeiten bei Krebserkrankungen mittels Methadon berichten. Allerdings gerät über die Euphorie die objektive Realität mit Fakten und Analysen schnell in den Hintergrund. Ist also die Hoffnung tausender Krebspatienten nach Heilung begründet oder stellt sich die zusätzliche Behandlung mit Methadon als wirkungslos oder sogar gefährlich heraus?

Tropfenweise Methadon soll Leben retten

„Sabine Kloske dürfte eigentlich nicht mehr leben“, lautet der Eingangssatz in der ARD-Sendung „Plusminus“ mit dem Thema Methadon im Kampf gegen Krebs. Sabine Kloske hatte einen aggressiven Gehirntumor (Glioblastom), der auch nach einer Operation von den Ärzten als „nicht heilbar“ eingestuft wurde. Sie sollte schon einmal anfangen ihr Leben zu regeln, viel Zeit bliebe ihr

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nicht mehr, hieß es. Doch Sabine Kloske lebt. Zu verdanken hat sie das dem Methadon, ist sie sich sicher. Denn Sabine Kloske hat zur Unterstützung im Kampf gegen ihre Krebserkrankung neben der Chemotherapie auch Methadon bekommen, das sie bis heute täglich tropfenweise nimmt. Aber Sie ist nicht die Einzige, bei mehreren Patienten, teilweise nur noch mit sehr geringer Lebenserwartung, waren die Ergebnisse ebenso verblüffend positiv.

Viele Ärzte sind skeptisch

Beispiele wie die von Sabine Kloske gibt es angeblich viele. Alle berichten von einer wundervollen Verbesserung ihres Zustandes, vom Rückgang des Tumors oder sogar einer Komplettheilung. Selbst der Palliativmediziner Dr. med. Hans-Jörg Hilscher erklärt in dem Bericht von „Plusminus“, dass „es meinen Patienten nicht nur besser geht, sondern sie auch länger leben!“. Alles Dank der Einnahme von Methadon. Doch viele Ärzte sind skeptisch, erklären die medizinische Wirksamkeit von Methadon bei Krebserkrankungen sogar als Humbug. Und selbst Prof. Wolf-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft kann diese Euphorie über den Einsatz von Methadon bei der Krebsbehandlung nicht teilen. Doch warum?

Durch Methadon zum 100% Krebszelltod

Dass Methadon beim Kampf gegen Krebs helfen kann, entdeckte die Ulmer Chemikerin Claudia Friesen 2008. Methadon soll in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt werden und effektiv wirken. „Es kann so sein, dass eine Zelle zu zehn Prozent anspricht mit einem Chemotherapeutikum. Gebe ich Methadon dazu, kann ich einen hundertprozentigen Zelltod erreichen“, erklärt Friesen in dem Bericht auf „Plusminus“. Diese Ergebnisse machte sie im Labor bei Versuchen an Tumorzellen und an Tieren. Die genauen Ergebnisse hat sie in ihrem Bericht „Opioiderezeptoraktivierung verstärkt Effektivität von Chemotherapeutikum“ aus dem Jahr 2014 beschrieben. Aber: Es gibt leider noch keine klinischen Studien zu Methadon bei Krebs

Die Ergebnisse, die Friesen vertritt, sind bisher aber noch nicht in einer klinischen Studie erwiesen worden. Ihre Forschungsergebnisse beziehen sich ausschließlich auf Forschungen im Labor. Klinische Forschungen am Menschen, die die Wirksamkeit von Methadon bei Krebserkrankungen beweisen gibt es bis heute aber noch nicht. In der medizinischen und pharmazeutischen Forschung gilt: Nur Patientenfälle als Beweis zu liefern ist nicht möglich. Für die Zulassung und Anerkennung eines Medikaments oder einer Therapie benötig man aber eine klinische Studie. Die Patienten, die bisher diese Methode erfolgreich angewandt haben, sind aber unbrauchbar für eine klinische Studie. Dazu Prof. Dr. Wolfgang Wick, der Sprecher der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft in „Plusminus“: „Die Anwendung von Methadon ist bisher nur experimentell!“ Und das ist nicht ausreichend für die geltenden Zulassungsgesetze.“

Keiner weiß, welche Krebstherapie wirklich geholfen hat

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Ein Grund dafür ist die Erfahrung, dass sich Medikamente völlig anders bei einem menschlichen Organismus verhalten können als in den entsprechenden Versuchen im Labor oder an Tieren. Und das kann auch lebensgefährlich werden. Das andere Problem ist der tatsächliche Nachweis der Effektivität von Methadon bei Krebserkrankungen. Denn jede Krebserkrankung verläuft anders. Manchmal zerstört der Krebs den Körper sehr schnell, manchmal dauert es sehr lange. In den meisten Fällen wird auf jeden Fall versucht das Leben des Patienten zu retten. Und dazu werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft: von Operation über Bestrahlung bis Chemotherapie. Greift eine der Therapien, spricht man von Erfolg. Doch wer weiß schon genau, ob tatsächlich eine der Therapien erfolgreich war oder vielleicht doch die Kombination von einer oder mehreren Therapien. Um sicherzustellen, dass Methadon tatsächlich effektiv die Heilung bei Krebserkrankungen unterstützt, müsste eine bestimmte Anzahl von Patienten an einer Studie teilnehmen. Die eine Hälfte bekommt Methadon, die andere ein Placebo. Wer was bekommt, bleibt geheim. Nach einem gewissen Zeitraum kann dann die Auswertung beginnen, ob Methadon wirklich einen positiven Effekt während der Therapie hatte oder nicht.

Warum gibt es bisher keine klinischen Studien zu Methadon in der Krebstherapie?

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Die Industrie verdient kein großes Geld mit Methadon. Diese Forschungen und klinischen Studien kosten sehr viel Geld. Zwar gibt es einen staatlichen Fond zur Unterstützung der Studien, doch der reicht nicht aus. Deshalb ist die Pharmaindustrie der hauptsächliche Sponsor der Studien. Doch die Pharmaindustrie vertritt natürlich ihre eigenen Interessen. Und dazu gehört sicherlich kein Medikament, das voraussichtlich nicht die gewünschten Erträge einbringt. Denn Methadon ist patentfrei. Das bedeutet, dass die Pharmaindustrie kaum etwas verdient, wenn Methadon bei Krebstherapien eingesetzt wird. Ein Krebsmittel wie Avastin, dessen Erforschung die Pharmaindustrie gesponsert hat, kostet für eine Krebstherapie bis zu 25.000 Euro. Methadon aber nur knapp 12 Euro! Insofern zeigt die Pharmaindustrie natürlich kein Interesse daran die klinischen Studien hinsichtlich Methadon in der Krebstherapie zu finanzieren. Andere Medikamente, die im eigenen Unternehmen produziert werden und einem Patent unterliegen, sind eben wesentlich lukrativer für die Pharmaindustrie.

Methadon kann viele Nebenwirkungen haben

Methadon ist ein hochpotentes Opioid, das Nebenwirkungen haben kann. Diese reichen von Übelkeit, Depressionen, Schwindel bis zu Durchfall und im schlimmsten Fall sogar Atemnot, der tödlich enden kann. Angeblich gab es bereits einige Krebspatienten, die beim Einsatz von Methadon während ihrer Therapie unter schweren Nebenwirkungen geklagt haben. Ein Patient soll daran sogar verstorben sein. Allerdings gibt es in der Krebstherapie kaum eine Behandlung, die nicht von unangenehmen Nebenwirkungen begleitet wird. Letztendlich steht die Genesung des Krebspatienten an erster Stelle. Aber nicht bei allen Krebstherapien ist der Einsatz von Methadon möglich. In manchen Fällen könnte sich zum Beispiel die Wirksamkeit des Chemotherapeutikums aufheben. Welcher Krebspatient also mit Methadon behandelt werden kann und welcher nicht, ist wissenschaftlich gesehen bisher also schwer zu sagen. Es fehlen bis jetzt leider dafür die notwendigen Forschungen.

Methadon – oft der letzte Strohhalm für Krebspatienten

Friesen wird vorgeworfen, dass sie den Antrag auf weitere Fördermittel vom Bundesforschungsministerium nicht korrekt eingegeben hat. Deshalb sind keine weiteren Fördergelder in Aussicht gestellt worden. Stattdessen hat sie sich an die Medien gewandt und damit eine Lawine losgetreten. Für tausende Krebserkrankte wurde Methadon plötzlich zum Wundermittel gegen Krebs. Sie bekamen die Hoffnung durch Methadon gesund zu werden und weiterleben zu können. Ob Methadon wirklich ein Wundermittel ist, steht allerdings nicht fest. Doch ein Patient, der an Krebs erkrankt ist, klammert sich an jeden Strohhalm. Deshalb ist es so wichtig weiter in diese Richtung zu forschen um in Zukunft Methadon gezielt in der Krebstherapie einsetzen zu können, wenn es die Heilungschancen erhöht. Der öffentliche Druck durch die Medien zeigt bereits kleine Erfolge auf diesem Weg. Erste Studien bei Patienten mit Hirntumoren haben begonnen, bei denen eine Kombination aus Chemotherapie und Methadon untersucht werden. Der Abschlussbericht wird für das Jahr 2022 erwartet! Für viele Patienten, die kaum oder keine Überlebenschance haben, ist dies leider viel zu spät.

Schmerzmittel Methadon, die letzte Chance

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Eine Chance haben Krebspatienten allerdings, wenn sie auf eigene Gefahr und eigenen Wunsch ihre Krebstherapie mit dem Einsatz von Methadon erweitern wollen. Methadon gilt nach der Betäubungsmittelverordnung als Schmerzmittel. Jeder Arzt kann dieses Schmerzmittel verschreiben. Es gibt leider einige Ärzte die sich strikt weigern das zu tun und sogar damit drohen die Behandlung des Patienten zu beenden. Ob das im Sinne des Patienten und dessen Genesung ist, sei in Frage gestellt. Um also ihre Krebstherapie mit Methadon auf Ihren ausdrücklich eigenen Wunsch erweitern zu können, müssten diese Patienten einen Arzt finden, der sie bei ihrem Wunsch der Methadon-Therapie während der Chemotherapie ärztlich unterstützt.

Leider kommt der Patient wieder einmal erst zum Schluss

Inzwischen wird man als Bürger immer mehr zum Spielball der ganz Großen. Niemand traut sich mehr über den Tellerrand hinauszuschauen, sondern schaut nur noch nach seinem prall gefüllten Geldbeutel. Es wird sich hinter Gesetzen und Vorschriften versteckt, die Politik greift nicht ein und es fließen riesige Geldmengen den Pharmakonzernen, den Krankenkassen und häufig dem einzelnen Arzt zu. Für alles wird Geld gesammelt, aber warum wird nicht für solch wichtige Studien gesammelt? Manche Vermögen sind so groß, dass man Sie nach normalem ermessen in 1000 Leben nicht ausgeben kann, aber so wichtige Dinge werden kaum unterstützt. Sollte Methadon tatsächlich Leben retten können, würden dadurch künftig immense Kosten eingespart werden. Die großen Medien sollten weiter dieses Thema im Auge behalten und darüber berichten, vielleicht können Sie damit vielen Krebspatienten das Leben retten oder zumindest verlängern.

Redaktion: Patricia Hansen

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Wiedergabe – auch auszugsweise – nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers.
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