Barwerte – Das liebe Geld im September 2017

Smeil Award 2017

Über die Nominierung dieses Blogs für den diesjährigen Smeil Award hatte ich vor einigen Wochen in einem gesonderten Beitrag berichtet. Der Preis wird vom österreichischen Medienunternehmen boerse-social.com in Kooperation mit Partnern aus der Finanzbranche als „Finanzbloggerpreis für die DACH-Region“ ausgelobt. Leise, still und heimlich wurden mittlerweile die Sieger gekürt. Der nach Eigenauskunft „überraschende Sieger“ im Feld der insgesamt 116 nominierten Seiten heißt Stefan Wolf und schreibt für den Blog der ARD-Börse. Die Qualität der Inhalte vermag ich mangels Kenntnis nicht beurteilen. Was mich jedoch unabhängig davon erstaunt hat ist die Tatsache, dass ein Finanzblog offensichtlich zur öffentlich-rechtlichen Grundversorgung gehört und aus den üppigen Mitteln einer anrüchigen de facto Steuer gespeist wird. In diesem Sinne erfreulicher waren die Auszeichnungen für finanzielle Bildung an Natascha Wegelin und ihren Blog Madame Monneypenny sowie für „Social Trading“ an die Plattform Investieren mit Kopf. Den Siegern meinen Glückwunsch und allen Unterstützern dieses Blogs einen ganz herzlichen Dank! Abschließend noch ein Hinweis an beziehungsweise Verbesserungsvorschlag für den Veranstalter: Schön wäre es, wenn im nächsten Jahr zumindest alle Nominierten automatisch und unmittelbar über das Ergebnis informiert würden.

> Smeil-Award: OMV und ARD als Sieger 2017 <

Brigitte entdeckt den Zinseszinseffekt …

Grundsätzlich ist es ja erfreulich, wenn finanzielles Wissen wirksame Verbreitung erfährt. So hat jüngst die Brigitte versucht, die Tugend des Sparens und Investierens ihrer überwiegend weiblichen Leserschaft schmackhaft zu machen. Getreu dem Motto „Wenn du von einem Leben in Saus und Braus träumst, kannst du aktiv etwas für deinen Reichtum tun“ empfiehlt das Magazin richtigerweise möglichst früh mit dem Sparen anzufangen, um im Alter von 65 tatsächlich die magische Vermögensgrenze von einer Millionen Euro zu knacken. Je früher man anfängt, desto niedriger ist die notwendige Sparrate: Mit 20 Jahren reichen lediglich zwei Euro pro Tag, mit 30 sind es schon sechs und mit 40 sportliche 20 Euro täglich – die Macht des Zinseszinseffekts eben. Leider hat die Rechnung des Brigitte-Finanzexperten zwei Haken (obgleich die Zeitschrift diese als „Clou“ bezeichnet). Zum einen fließen in die Berechnungen keinerlei Steueraspekte ein, zum anderen wird eine Anlagerendite von zwölf Prozent pro Jahr unterstellt. Während sich ersteres noch mit einem preisgünstigen Versicherungsmantel umsetzen lässt, bleibt die Herleitung des unrealistisch hohen Kalkulationszinses leider das Geheimnis des Experten:

> Als Rentner Millionär <

… und der Fiskus schwächt ihn ab

Tja, wer hätte das gedacht? Offiziell angedacht, um die Besteuerung von Investmentfondserträgen einheitlicher und unkomplizierter zu gestalten, erweist sich das ab Januar 2018 in Kraft tretende Investmentsteuerreformgesetz doch als teurer und bürokratischer. Tatsächlich, so Pascal Eckert vom EXtra-Magazin, „lassen die neuen Besteuerungsgrundlagen für Fonds an der Zurechnungsfähigkeit der handelnden Personen im Bundesfinanzministerium zweifeln.“ So belastet die ab dann greifende Besteuerung von Erträgen auf Fondsebene insbesondere Kleinanleger: „Die Besteuerung von Dividenden auf Fondsebene führt für zahlreiche Anleger, die den Freibetrag nicht ausnutzen, zu einer deutlich höheren Steuerbelastung. Wer ab 2018 beispielsweise über ein Aktienfondsvermögen von 25.000 Euro verfügt, zahlt zukünftig – Aktiendividenden von drei Prozent zugrunde gelegt – bereits auf Fondsebene 112,50 Euro Steuern (15 Prozent von 750 Euro). Nach altem Recht blieb die Dividende in Höhe von 750 Euro aufgrund des Freibetrags von 801 EUR hingegen vollständig steuerfrei.“ Ferner unterstellt die sogenannte Vorabpauschale künftig fiktive Mindestgewinne und nimmt damit die Besteuerung zukünftiger Wertsteigerungen schon einmal vorweg. Damit steht der Gewinner der neuen Regelungen in jedem Fall fest:

> Nur der Fiskus macht einen guten Schnitt <

Verschuldung der US-Haushalte

Die Verschuldungsfreude US-amerikanischer Haushalte ist legendär. Befeuert durch regulatorische Vorgaben und politischen Machbarkeitswahn pflasterte selbige im Jahr 2007 schließlich den Pfad zur Weltfinanzkrise. Den langen Anlauf habe ich Anfang August in einem Blogbeitrag skizziert. Wie sieht es heute, zehn Jahre nach der großen Kreditimplosion jenseits des Atlantiks aus? In Prozent der Wirtschaftsleistung notieren die Gesamtschulden der privaten Haushalte zwar deutlich unter dem Vorkrisenhoch, allerdings immer noch beträchtlich über dem langjährigen Durchschnitt. In absoluten Zahlen stiegen sie im ersten Quartal 2017 auf 12,7 Billionen US-Dollar. Interessant ist allemal, wofür sich die Haushalte so verschulden: Grundschulden beziehungsweise Hypotheken machen erwartungsgemäß den Löwenanteil aus, nämlich 70 Prozent. Auf Platz zwei folgen mit knapp elf Prozent Studentenkredite. Erst danach kommen mit Auto- und Kreditkartenschulden klassische Konsumverbindlichkeiten:

> US-Haushalte: Studentenkredite zweitgrößte Position <

Gesetzliche Rente mit gehebelten Aktieninvestitionen

Klingt absurd? Ist jedoch seit dem Jahr 2000 gelebte Praxis – in dieser Form allerdings nur in Schweden. Insgesamt 370 Milliarden schwedische Kronen, etwa 38 Milliarden Euro, verwaltet die hierfür zuständige Behörde AP7 in Art und Weise eines Staatsfonds. Die Mittel hierfür stammen aus den Versicherungsbeiträgen der in Schweden rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer. Der wie hierzulande obligatorische Rentenbeitragssatz setzt sich nämlich bezogen auf den Bruttoarbeitslohn aus 16 Prozent für eine umlagefinanzierte Grund- sowie 2,5 Prozent für eine kapitalgedeckte Premiumrente zusammen. Arbeitnehmer, die sich für keine der zur Auswahl stehenden, vorgegebenen Investmentfonds entscheiden, investieren automatisch via AP7. Und wie investieren dessen Manager die ihnen zufließenden Gelder? Extrem aktienlastig und – wie eingangs angedeutet – gehebelt! Die höchst interessanten Details hat Nico Hintze recherchiert und auf seinem Blog Finanzglück veröffentlicht:

> Machen wir es doch wie die Schweden! <

Vorschau Oktober

Abschließend möchte ich schon jetzt auf zwei Vorhaben aufmerksam machen, die fest für den Monat Oktober eingeplant sind.

  1. Neun Monaten nach dem Start hat dieser Blog mehrere hundert Abonnenten. Zudem steuern monatlich mehrere tausend Besucher die Seiten an. Vielen Dank allen Lesern! Nachdem ich zahlreiche Formate und Inhalte veröffentlicht habe ist es meines Erachtens an der Zeit, diese noch enger an den Wünschen der Leserschaft auszurichten. Zu diesem Zweck plane ich im Laufe des Monats eine Umfrage in Verbindung mit einem Gewinnspiel durchzuführen, zu der alle Abonnenten herzlich eingeladen sind. Auf die Resultate bin ich jetzt schon gespannt. Weitere Informationen folgen!
  2. Der im September veranstaltete Onlinekongress „Passives Einkommen – Aktives Leben“ der Vermögens-Akademie (*) hat sich hohen Zuspruchs und zahlreicher Rückfragen erfreut. Das gilt insbesondere für Finanz- beziehungsweise Börsenthemen. Aus dem Grund hat die Initiatorin Eva Abert den „FinanzTalk der Vermögensakademie“ ins Leben gerufen. Bei dem Format handelt es sich um ein Videoseminar in Echtzeit, bei dem fünf Finanzblogger zu Geldthemen diskutieren und Leserfragen beantworten – einer davon werde ich sein. Die Teilnahme ist gratis, die erste Gesprächsrunde findet am 23. Oktober 2017 um 19 Uhr und dann im Zweimonatsrhythmus statt. Alle Termine und weitere Informationen werde ich rechtzeitig bekannt geben. Ganz Eilige können sich schon jetzt unverbindlich für die Auftaktveranstaltung anmelden:

> Anmeldung zum FinanzTalk am 23.10.2017 <

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Leserhinweise

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